Winter 2014: Ich bin in Dortmund angekommen, in der Nähe des Flughafens wohnt Rüdiger Kailuweit: Konstrukteur und Erbauer des Seglers den ich heute abholen werde. Seit über 40 Jahren betreibt Rüdiger den Modellbau. Seine ersten Modelle (begonnen hat er mit 12 Jahren) waren noch mit dem natürlichen Klebstoff "Kartoffelstärke" bespannt – Not macht eben erfinderisch. Später ging Rüdiger in den Bereich Scale-Modellbau und nahm erfolgreich an DMFV-Wettbewerben teil und wurde mehrfacher Sieger in der Baubewertung. Wenn man von Rüdiger berichtet, dann fallen einem auch Namen wie Dieter Schmitt, Karl Quabeck und Peter Weiß ein. Alle haben schon in Rüdigers Keller gestanden, sich ausgetauscht und an Segler-Wettbewerben teilgenommen. Die Begeisterung am Modellbau hat Rüdiger „jung“ gehalten. Einer der alten „Hasen“ die aus der Not und mit viel Pioniergeist den Modellbau geprägt und gefördert haben.  Nach einer herzlichen Begrüßung betreten wir Rüdigers Kellerraum. In der Mitte des Raums steht ein großer Bautisch. An den Wänden deckenhohe Regale mit Baumaterial und Werkzeug bestückt. Auf der Stirnseite befindet sich ein kleines Kellerfenster mit einem Abluft-Ventilator - bei Rüdiger wird von Hand nass verschliffen, damit sich der Staub sich in Grenzen hält und er mehr Gefühl beim Abschliff hat. Links am Eingang steht ein kleiner Tisch, an dem Rüdiger in den Pausen seine Zigarette genießen kann. Seine Frau bringt erst mal Kaffee und Weihnachtsgebäck; nach fast 3 Stunden Autofahrt (teilweise im Schneetreiben) freue ich mich sehr über diese kleine Aufmerksamkeit.

Mein Grob Club Astir III/b steht aufgebaut auf dem Tisch - man sieht der toll aus! Der Maßstab ist 1:4 mit 3,75 Spannweite. Die Flächen bestehen aus einem Styro-Kern mit Abachi-Beplankung und sind mit Oracover bespannt. Die Lackierung des Rumpfs wurde in einer Lackierwerkstatt erledigt. Für den Einbau der Servos ist im Rumpf alles vorbereitet. In den Flächen kann man seine Vorlieben umsetzen – die Servokabel zu den Querrudern liegen im Kanal. Wie man unschwer lesen kann hat das Modell die Ausbaustufe „ARF“. Die Maße des Seglers sind Scale. Nimmt man also die Originalzeichnung des Astir und teilt zum Beispiel die Flügellänge 15.000mm durch 1:4 kommt man auf 3750mm. Dieser Astir soll später ein Aufstecktriebwerk erhalten und für kleine Plätze oder unter der Woche herhalten. Einen passenden Antriebsstrang habe ich schon im Auge. Was ich sehe gefällt mir sehr gut und der Segler wechselt seinen Besitzer.

Während ich meinen Astir im Auto einlade ruft Rüdiger: "Ich muss Dir im Anschluss noch etwas zeigen".

Beim Betreten des Bastelkellers bekomme ich glänzende "Kinderaugen". Auf dem Tisch steht der unlackierte GFK-Rumpf eines Astir G102 S3 in 1:3 und daneben liegt die Negativform. Mit den Fingern streiche ich über den Rumpf und bewundere die makellose Oberfläche. Das Heck ist im unteren Bereich verstärkt und soll damit Rumpfbrüchen vorbeugen. Das Höhenruder-Servo wird im Seitenleitwerk montiert und ergibt eine direkte und starke Anlenkung. Das Seitenruder wird über Seilzüge an gelenkt. Innen ist alles für ein Einziehfahrwerk vorbereitet. Die Schleppkupplung befindet sich unten, vorne im Rumpf und gibt damit dem Segler eine gute Überhöhung während des Schleppvorgangs. Mit einem 30mm höheren Fahrwerk lässt sich auch sehr gut ein bodenstartfähiger Nasenantrieb realisieren. Die Flächen werden noch gebaut. Es existiert dafür ein bewährter Profilstrak. Der Rumpf besitzt keine Profilanformerung und ermöglicht dadurch die Umsetzung von eigenen Profilwünschen. Im Anschluss schauen wir uns Rüdigers eigene LAK-17a in 1:3 an. Es handelt sich um den Scale-Nachbau der LAK Aviation GmbH. Wahlweise ist auch ein Nasenantrieb wählbar - dann sprechen wir von der LAK-17 FES. Zudem kann man zwischen einer Spannweite von 5 oder 6 Metern wählen. MIt den entsprechenden Winglets hat man ein äußerst flexibles Modell für Strecke, Thermik und Kunstflug.

Bei der Besichtigung fallen mir auch die schönen Pilotenpuppen im Maßstab 1:3 in den Modellen auf. Eine Pilotenpuppe darf in meinen Segler natürlich nicht fehlen und da ich bereits auf der Suche war, passte diese Gelegenheit sehr gut. Rüdiger holte zwei große Kartons mit Puppen aus dem Regal; jeweils mit Seglerpiloten in 1:3 und 1:3,5. “Ich muss noch mal zum Auto”, sagte ich und holte den Rumpf wieder aus dem Auto. Rüdiger setzt einen Piloten im Maßstab 1:3,5 ins Cockpit. Trotz Modell-Maßstab 1:4 passt der Pilot recht gut dazu – ein großgewachsener Pilot eben. In verschiedenen Farb- und Kleidungskombinationen werden die Pilotenpuppen angeboten. Meine Entscheidung fiel auf die Puppe mit blau-kariertem Hemd, schwarzer Pullunder, dunkle Stoffhose und weiße Fliegermütze. Kopf, Arme und alle anderen Körperteile sind mittels Draht beweglich und fixierbar. Die Köpfe sind mittlerweile von einem 3D-Scan (früher waren diese handgeschnitzt). Übrigens: Der Kopf des Piloten in 1:3,5 ist ein Abbild von seinem Enkel Dominik Georg - bekannt im DMVF als CONTEST Manager für das Sportreferat Acro Segelflug. Die schönen Pilotenpuppen haben in 1:3 ein Gewicht von XX Gramm und 1:3,5 von 240 Gramm. Kopf, Hände und Schuhe sind abnehmbar und erleichtern damit das Wechseln der Kleidungsstücke.

Übrigens fertigt Rüdiger auch Tragflächen auf Bestellung und all seine Modelle in verschiedenen Ausbaustufen. Wem die Zeit fehlt, der kann sogar ein flugfertiges Modell erhalten. Seine Angebotspallette erstreckt sich vom Hangsegler bis zum Acrosegler.

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