Die elegante LAK-17 ist ein Hochleistungssegelflugzeug in der 15/18-Meter Klasse mit Wölbklappen. Bezüglich der Spannweite ist die LAK-17 wohl eines der wenigen Segelflugzeuge mit derart variablen Flügellängen. Neben 15/18-Meter gibt es noch eine Kurzversion mit 13,5-Meter und 21-Meter für die offene Klasse. Hersteller ist die „UAB Sportinė Aviacija“ in Litauen. Vertragshändler in Deutschland ist die "Lak-Aviation GmbH". Besonders interessant ist die neue LAK-17B (Nachfolger der LAK-17A). Um weiterhin Konkurrenzfähig zu bleiben erhielt diese neue Flächen mit überarbeitetem Profil. Auch im manntragenden Bereich entwickelt sich der Elektroantrieb immer weiter und wird zunehmend interessanter, so auch bei der der LAK-17B mit dem Zusatz „FES“. Entwickelt wurde der „Front Electric Sustainer“ von Luka Znidarsic and Matija Znidarsic; beide sind erfahrene slowenische Segelflugpiloten und kommen aus dem Maschinenbau-Bereich. In der Nase werkelt ein Brushless-Motor mit 7,3 kg und ca. 22 Kw Leistung an 116 Volt - dies entspricht ca. 30 Pferdestärken. Den notwendigen Antriebsstrom liefern Kokam Lithium-Batterien. Diese sind mit einem Schnellladegerät in etwa 2 Stunden vollgeladen.  Das zusätzliche Elektroantriebspaket hat ein Gesamtgewicht zwischen 45-50 kg. Grundsätzlich handelt es sich um ein Hilfssystem und soll vor schwierigen Außenlandungen bewahren. Mit diesem Antriebspaket sind bis zu 1000 Höhenmeter erreichbar oder ein horizontaler Kraftflug mit 90-110 km/h für etwa 1 Stunde möglich.

Rüdiger Kailuweit hat sich diesem sehr interessanten Vorbild angenommen und eine LAK-17B FES im Scale-Massstab 1:3 konstruiert und gebaut. Nimmt man zum Beispiel die Tragflächen-Spannweite von 15.000mm und teilt diese durch 3 kommt man auf exakt 5.000 mm (5 Meter). Durch ein 30mm höheres Fahrwerk ist das Modell bodenstartfähig und sehr gut lenkbar; man sieht dies eindrucksvoll im Video von Rüdiger Kailuweit. Wie im Original kann man zwischen verschiedenen Flächenmaßen wählen und erhält damit einen sehr flexiblen Allrounder. Wer damit immer noch nicht wunschlos glücklich ist, für den hat Rüdiger ein offenes Ohr.

Wieviel Aufwand steckt in so einem Projekt und welche Qualität kann man erwarten? Ein spannende Frage die ich vor Ort an den Entwickler und Erbauer Rüdiger Kailuweit gestellt habe:

MK=Marcus Kilian, RK: Rüdiger Kailuweit

MK: „Rüdiger, bitte beschreibe uns das Verfahren zur Entwicklung/Herstellung der Rumpf-Negativ-Form bis zur Lackierung“.
RK: „Das Ur-Model besteht aus einem Sperrholzkreuz (Vertikal und Horizontal). In einem Abstand von 55mm sitzen die Spanten auf der gesamten Rumpflänge; der Zwischenraum wird mit Rufmet ausgefüllt. Danach wird der gesamte Rumpf konturgenau verschliffen - wer das noch nie gemacht hat, kann sich nicht vorstellen, was das für eine Arbeit ist. Im Anschluss wird der Rumpf mit 3 Lagen GFK (von 163 bis 280gr) belegt. Nach dem Aushärten des Laminats wird das Ganze ab gespachtelt und nass verschliffen; was die Arme nur hergeben! Nun folgt die erste Grundierung. Nachdem der Rumpf ausgespiegelt ist, wird in einer Autolackiererei der 2K-Lack aufgetragen.“

MK: „Bitte beschreibe uns das Verfahren zur Entwicklung/Herstellung der Tragflächen."
RK: „Die Tragflächen bestehen aus Styropor mit einer Abachibeplankung. Für die Steifigkeit sorgen laminierte Kiefernholme (oben und unten). Zwischen den Holmen sitzt eine vertikale Balsa-Abstützung. Auf den Holmen liegen oben und unten Kohlerovings. Zwischen dem Styropor und der Abachibeplankung liegt Glasgewebe (vollflächig oben und unten)."

MK: „Mit was für einer Folie werde die Flächen bespannt?"
RK: „Oracover Bügelfolie"

MK: „Wie ist die genaue Aufteilung des Profilstraks von innen nach außen. Bitte nenne uns die verwendeten Profile und den Bereich der Fläche."
RK: „W-Rippe:HQ 3-15, M-Rippe:HQ 3-12, E-Rippe: Ritz 23-12. Die Endrippe ist bei der 5 und 6-Meter-Version gleich."

MK: „Welche Vorteile ergeben sich im Flug durch die Wahl eines geeigneten Profilstraks?"
RK: „Nachdem man weiß, was man von einem Flieger verlangt und was er leisten soll, stellt man einen Profilstrak zusammen. Dabei ist auf die Länge der einzelnen Rippen zu achten. Warum? damit man die Profile wählt, die den geringsten Widerstand aufbieten."

MK: „Welche Spannweiten sind verfügbar? Bitte nenne uns die den jeweiligen Tragflächeninhalt und Tragflächenbelastung der jeweiligen Spannweite."
RK: „5-Meter-Version: Tragflächeninhalt 113,5dm², Flächenbelastung ca. 84gr. 6-Meter-Version:124,7dm², Flächenbelastung ca. 80gr."

MK: „Ist die LAK-17 nur für Strecken- und Thermikflug geeignet?"
RK: „Fast ausschließlich. Leichter Kunstflug ist mit der 6-Meter-Version aber machbar. Die 5-Meter-Version kann man schon etwas härter anfassen. Es kommt immer darauf an, wie und was der jeweilige Pilot fliegen kann."

MK: „Wie lange ist die Entwicklungszeit für solch ein Großmodell?"
RK: „Von der Besorgung der Unterlagen bis zur Fertigstellung in etwa 10 Monate."

MK: „Wie lange ist die Bauzeit?"
RK: „Etwa 9 Wochen."

MK: „Bitte nenne uns Details zum Antriebsstrang."
RK: „In der Nase ist ein Brushless-Motor von Graupner mit der Bezeichnung Oma 375 montiert, Luftschraube Aeronaut 14x10, Drehzahlsteller mit 120 Ampere und ein 8-Zellen-Lipo mit 4000mAh Kapazität. Bei 1 Minute Vollgas hat man einen Höhengewinn von etwa 250-300 Meter mit einem Verbrauch von ca. 750mAh."

MK: „Bitte erläutere uns das Startverhalten mit dem Nasenantrieb. Was ist zu beachten?"
RK: „Wichtig ist genügend Bodenfreiheit für den Prop ist (ca 5cm); dafür habe ich ein spezielles Fahrwerk, dass den Bodenabstand um weitere 3cm erhöht. Mit verhaltenem Gas lässt man den Segler  anrollen und gibt im Verlauf zügig weiter Gas, bis der Flieger abhebt (eventuell etwas mit der Höhe arbeiten, muss aber nicht unbedingt sein)."

MK: „Wie ist das Steuerverhalten in der Startphase bei Seitenwind?"
RK: „Wir(mein Enkel Dominik und ich) haben noch nichts Negatives festgestellt. Der Segler verhält sich neutral und lässt sich gut am Boden steuern."

MK: „Herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen.“

Mein niederländischer Modellflugkollege Rob Extra fliegt fast nur in der Ebene und suchte einen Thermik fähigen und dynamischen 6m Segler. Er hat mir zu seiner LAK-17A nur Positives berichtet; wie sagt er so schön „Fliegertraum...“. Und so schwärmt er vom Erstflug: „Letzte Woche hatte ich endlich Zeit und optimale Bedingungen um die LAK einzufliegen... naja, Einstellen brauchte man da wirklich nichts, denn die Angaben von Rüdiger waren nahezu perfekt! Der Segler benötigt nur einen Hauch von Thermik zum oben bleiben. Was da für eine Leistung drin steckt... da haben sich schon einige gewundert, auch ich selbst. Der Segler liegt satt in der Luft und gleitet graziös vor sich her, kann aber auch sehr dynamisch geflogen werden, aufgrund der Wölbklappen. Bei wenig Wind hat er subjektiv schon etwas Tempo drauf, auch beim Landen. Bei ausgefahrenen Störklappen verhält sich das Modell neutral und lässt sich Butterweich aufsetzen. Die LAK ist wirklich ein Genuss und etwas Außerordentliches. Super Leistung und ein exklusives Modell. Man sieht so ein Modell nicht alle Tage. Und damit ist wieder bewiesen, dass gut aufbewahrte Geheimnisse aus Rüdigers Keller kommen. Es ist für mich ein Privileg so ein Modell zu besitzen und fliegen zu können.“

Angabe Quelle der Flugbilder: Tom Lienaerts (Niederlande), Pilot/Eigentümer: Rob Extra

Für weitere Fragen freut sich Rüdiger Kailuweit Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst über eine Nachricht <-- für eine eMail auf den Namen klicken